Verraten und verkauft - das deutsche Bienenmonitoring

Nach nunmehr 2 Jahren Mitarbeit ist der Deutsche Berufs- und Erwerbs­imker­bund kurz davor sich vom Projekt Bienen­monitoring zu ver­ab­schieden. Aus­schlag­gebend dafür ist, dass trotz wieder­holter An­läufe des DBIB es von der Industrie ab­ge­lehnt wird, die Unter­suchungen in gleich­wertigem Umfang auf die Pflanzen­schutz­mittel aus­zu­dehnen.

Nachdem einige Imkervertreter Verwunderung über dieses Vor­gehen ge­äußert hatten, wurde die Sache da­durch ge­löst, daß die Firma Bayer selbst einige Labor­unter­suchungen vor­nahm - alles ohne Befund.

Im zweiten Jahr verzichtete man dann ganz auf Unter­suchungen in dieser Richtung, weil die Unter­suchungen zu teuer seien. Man hat statt­dessen be­schlossen die Proben ein­zu­frieren und diese erst nach Be­darf auf Pflanzen­schutz­mittel­rück­stände zu unter­suchen.

Damit war dieses Thema erst mal auf Eis gelegt. Statt­dessen wurde im Projekt­haus­halt viel Geld für alle möglichen Unter­suchungen auf ver­schiedene Bienen­krank­heiten und Ähnliches ein­ge­stellt.

Einen Haushaltsposten für unabhängige Laboruntersuchungen auf Pflanzen­schutz­mittel gab es damit erst gar nicht!

Auch hat man sich nicht die Arbeit gemacht, zu recherchieren, welche PSM (Pflanzen­schutz­mittel) in der näheren Um­ge­bung der Bienen­völker ein­ge­setzt wurden. Somit ist es ein leichtes zu sagen, dass es nicht möglich ist ziel­ge­richtet auf be­stimmte PSM hin zu unter­suchen.

Und so konnte man sich getrost auf den wichtigsten Teil des Projektes stürzen: die Presse­arbeit.

Dort wurde wirklich gründliche Arbeit geleistet. Dort wurde nichts auf Eis ge­legt. Die Türen der Bundes­presse­konferenz standen plötzlich offen. Der Blätter­wald rauschte. Vor­träge wurden ge­halten. Der Deutschland­funk be­richtete schon während die Projekt­mit­glieder noch tagten. Im Bei­trag des Deutschland­funks wurde so­gar er­zählt, dass das Monitoring ge­zeigt hätte, daß die Gen­technik keine Ge­fahr für die Imkerei sei. Dabei war dies über­haupt nicht Gegen­stand der Unter­suchungen.

Aber wenn man Geld in die Hand nimmt, um Ruhe an der Imker­front zu be­kommen, dann muss man natürlich ver­suchen den PR-Gewinn zu maximieren.

Wir haben versucht einen Mitschnitt der Sendung zu bekommen. Der Deutschland­funk behauptet, er habe keinen, weil die Sendung extern im Auf­trag des Bauern­ver­bandes produziert worden sei. Beim Bauern­ver­band be­hauptet man davon nichts zu wissen. Der Mitschnitt ist bis heute verschollen!

Der DBIB hat am so genannten "Runden Tisch" am 9. November 2006 nochmals seine Kritik-Punkte vor­ge­bracht. Das Resultat war, dass diese in dem von Deutschen Bauern­verband er­stellten Protokoll nicht einmal er­wähnt wurden. Was man nicht haben will, das wird einfach tot ge­schwiegen. All das hat unseren Arg­wohn ge­schürt und es liegt der Ver­dacht nahe, dass das Bienen­monitoring nur dem Ziel dient, die Imker ruhig zu stellen und der Industrie Zeit zu schaffen, um weiter­hin un­ge­stört die Pflanzen­schutz­mittel die in der Kritik stehen, aus­bringen zu können. Und Gründe dafür gibt es genug.

Was die Industrie anbelangt so darf man erwarten, dass keine Gelder aus­ge­geben werden, die nicht in mittel­barer oder un­mittel­barer Weise zum Ge­winn des Unter­nehmens bei­tragen. Das Aktien­recht ver­bietet Konzernen aus­drück­lich un­eigen­nützige Wohl­tätig­keit. Die Aktionäre könnten in so einem Fall den Vor­stand wegen Zweck­ent­fremdung der Mittel ver­klagen. Aber mit der Finanzierung dieses Projektes herrscht für die Dauer des Projekts Ruhe an der Front. Jeg­liches An­sinnen, bienen­ge­fährliche Wirks­toffe so wie in Frankreich zu be­handeln, kann mit dem Hin­weis auf die laufenden Unter­suchungen auf die lange Bank ge­schoben werden. Das sichert Millionen­um­sätze über Jahre. Da darf man ruhig schon mal in die Porto­kasse greifen.

Vor diesem Hintergrund wundert es auch nicht, wie durch­sichtig das Ganze ist, wenn der Ver­treter der Industrie die Presse­er­klärung für den runden Tisch be­reits vor der Sitzung auf seinem Lap­top vor­bereitet hat und diese Presse­er­klärung eine General­ab­solution für die Geld­geber dar­stellt, viele andere mögliche Ur­sachen an­führt, auf sehr gute Honig­er­träge in diesem Jahr ver­weist, ohne auch nur mit einem Wort die am "Runden Tisch" ge­äußerten Be­denken der Imker­ver­treter zu er­wähnen.

Beim Thema der neuen Wirkstoffe bei der Beizung von Raps­saat­gut wurde ein weiteres Ziel des Runden Tisches klar. Der Ver­treter von Syngenta er­regte sich sehr da­rüber, dass Imker in der Frage der fehlenden Zu­lassung von ELADO direkt bei ver­schiedenen Be­hörden aktiv ge­worden sind. Man müsse solche Sachen am "Runden Tisch" klären. Sonst könne er in seiner Firma die Zur­ver­fügung­stellung der Mittel für das Monito­ring­projekt nicht mehr recht­fertigen.

Was die Bieneninstitute anbelangt, stellt sich die Frage, warum dort alles kritik­los hin­ge­nommen wird? Für die Institute be­deutet das Bienen­monito­ring erst einmal, dass zu­sätzliche Gelder zur Ver­fügung stehen. Natürlich ist der Ver­dacht, es handele sich bei diesem Projekt um eine rein industrie­finanzierte Gefällig­keits­studie, sehr kränkend für die be­teiligten Institute.

Daher weist man auch darauf hin, dass das Monito­ring­programm nicht nur von der Industrie finanziert sei, sondern die Institute in­zwischen auch noch etwa den gleichen Be­trag durch Eigen­leistung bei­steuern. Nun machen die Institute das nicht in ihrer Freizeit, sondern mit Mit­arbeitern und Ressourcen, die eigent­lich aus anderen Töpfen und zu anderen Zwecken finanziert werden. Hier sei die Frage erlaubt, welchen Anteil die Institute an den EU-Imker­förder­gelder im Rahmen der EU VO 1221 be­kommen und warum dieser nicht an die Imker geht? Und wenn schon die Imker die volle Ein­be­ziehung der Pflanzen­schutz­mittel fordern, warum diese Gelder dann nicht dafür aus­ge­geben werden?

Ein Kunstgriff der Industrie ist, dass die Mittel nicht zu Be­ginn des Projektes auf ein­mal ge­zahlt werden, sondern jährlich ab­ge­rechnet wird. Damit könnte das Projekt jeder­zeit ab­ge­blasen werden, so etwa auch wenn un­er­wünschte Er­gebnisse zu Tage kommen sollten. Damit er­gibt sich bei den be­teiligten Instituten eine Interessen­konflikt: bei un­er­wünschtem Er­gebnis ist eventuell das Geld weg. Was hier bleibt ist ein "Ge­schmäckle". Man hält es in den Reihen der Institute auch für normal, dass die nächsten Presse­aktionen und Vor­trags­serien ge­rade­zu general­stabs­mäßig vor­be­reitet werden, ob­wohl bei dem Projekt bis­her kaum etwas heraus­ge­kommen ist, das einen solchen Rummel recht­fertigen könnte. Man muss aber wohl jedes Jahr eine neue Sau durchs Dorf treiben können, denn so ist die Ab­lenkung von der ur­sprüng­lichen Frage­stellung perfekt.

Der Vorwurf an die Institute ist nicht, dass sie Er­gebnisse mani­pulieren, sondern, dass sie sich nicht vehement an die Seite der Imker stellen und fordern, dass aus­ge­wogen in alle Richtungen auch bei PSM unter­sucht wird. Die Institute berichten voller Stolz, dass das deutsche Projekt in Europa große Be­achtung finde. In Frankreich mit den dortigen Imker­verbänden sei so etwas nicht möglich, würden Kollegen aus den anderen Ländern sagen. Aus unseren Ge­sprächen mit den französischen Imkern wissen wir aber, wie das Monitoring dort tat­sächlich ge­sehen wird. Bei einem Treffen ver­schiedener europäischer Imker­verbände in Paris zum Thema Pflanzen­schutz­mitel, das die COPA ver­hindern wollte, wurde uns von unseren Kollegen höflich aber deutlich gesagt: "Nur in Deutschland sind die Imker­verbände naiv genug, sich für diese PR-Strategie der Industrie her­zu­geben. Ihr macht euch damit nicht nur lächerlich. Ihr schwächt auch die Position der Imker in den anderen EU-Ländern."

Die Sorgen unserer europäischen Kollegen sind be­rechtigt. Die Europäisierung des deutschen Bienen­monito­rings wird be­reits vor­an­ge­trieben, denn die Er­gebnisse dieses Projekts sollen auch dazu ver­wendet werden, die Pflanzen­schutz­mittel in anderen Ländern aus der Schuss­linie zu be­kommen. Wir er­weisen unseren europäischen Imker­kollegen einen Bären­dienst, wenn wir uns als Feigen­blatt für ein Projekt her­geben, bei dem eine un­ab­hängige er­gebnis­offene Forschung von seiner Struktur her nicht garantiert ist.

Natürlich sollten wir Imker daran interessiert sein, dass ein echtes Monito­ring statt findet. Die Initiative dafür ging, wie oben er­wähnt, eigentlich von unserem Ver­band aus. Wir müssen uns weiter für ein Projekt stark machen, das aus­schließ­lich mit öffent­lichen Mitteln so finanziert wird, dass glaub­würdige Er­gebnisse möglich sind. Wir müssen dafür sorgen, dass die Bienen­institute aus diesem schlimmen Interessen­konflikt be­freit werden und un­ab­hängig arbeiten können.

Unser Ziel ist es nicht, dieses oder jenes Pflanzen­schutz­mittel ver­boten zu be­kommen. Unser Ziel muss es sein, zu lernen, was wir selbst in unserer Betriebs­weise besser machen können und was die­jenigen, die die Kultur­land­schaft, in der unsere Bienen leben und über­leben sollen, besser machen können, damit die vielen Faktoren, die unsere Bienen immer mehr schwächen, Schritt für Schritt positiv ver­ändert werden können. Dazu gehört nicht nur aber auch eine tief greifende Reform der Zu­lassungs­ver­fahren von Pflanzen­schutz­mitteln.

Das deutsche Bienen­monito­ring in der jetzigen Form bringt uns auf diesem Wege nicht weiter, sondern ist dazu an­ge­legt uns aus­zu­bremsen. Wir haben es uns zwei Jahre lang an­ge­schaut. Viele Mit­glieder unseres Verbandes waren daran be­teiligt. Wir haben guten Willen ge­zeigt und einen großen Ver­trauens­vorschuss ge­geben, in­dem wir trotz er­heblicher Zweifel unsere Mit­glieder zum Mit­machen auf­ge­fordert haben. Was wir uns vielleicht selber vor­werfen können ist, so lange ge­wartet zu haben bis wir in dieser Weise unseren Stand­punkt Nach­druck ver­leihen.

Leider ist es uns nicht gelungen, den über­wältigen­den Ein­fluss der Industrie in ver­tret­baren Grenzen zu halten. Im Interesse aller Imker müssen wir daher unseren Mit­gliedern empfehlen, ihre Mitarbeit bei diesem Projekt ein­zu­stellen, falls unsere seit langem be­kannten Forderungen nicht end­lich um­ge­setzt werden.

Hier also noch einmal unser Forderungskatalog:

  1. Bei der Ursachenforschung sind alle möglichen Faktoren gleich zu be­handeln. Wenn wir Imker etwas falsch machen, wollen wir das wissen, damit wir unsere Betriebs­weise ver­bessern können. Wenn es neue Krank­heits­er­reger gibt, wollen wir sie finden und zu kontrollieren lernen. Wenn Pflanzen­schutz­mittel unsere Bienen schwächen, wollen wir dies wissen und mit der Industrie, dem Bauern­ver­band und den Be­hörden eine Strategie zur Schadens­minimierung ent­wickeln. Wir sind uns dabei be­wusst, dass Pflanzen­schutz­mittel in der Land­wirt­schaft be­nötigt werden, weisen aber auch darauf hin, dass die ökologische Land­wirt­schaft zeigt, dass der An­satz der chemischen Industrie nicht immer alter­nativ­los ist.
  2. Wenn es bei Bienenkrankheiten für sinnvoll erachtet wird, routine­mäßig den Erreger­druck für das ganze Spektrum möglicher Krank­heiten zu er­fassen, dann hat dies auch für die Präsenz der wichtigsten Pflanzen­schutz­mittel zu ge­schehen.
  3. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten haben gezeigt, dass eine Beein­trächtigung der Leistungs­fähigkeit der Bienen bereits lange vor dem Tod der adulten Bienen ein­tritt. Ein Bienen­volk mit des­orientierten Flug­bienen ist in über­lebens­wichtigen Funktionen ge­stört. Die subletale Wirkung ist be­reits bei Konzen­trationen zu be­obachten, bei denen das ent­sprechende Pflanzen­schutz­mittel zwar nach­weis­bar, aber nicht quantifizierbar ist. Bei den von Bayer durch­ge­führten Unter­suchungen wurden Er­gebnisse unter der Quantifizierungs­grenze nicht berücksichtigt. Es sind aber alle Er­gebnisse, bei denen das Vor­handen­sein be­stimmter Pflanzen­schutz­mittel nach­ge­wiesen werden kann, bei der Ur­sachen­forschung be­rücksichtigt werden.
  4. Die Untersuchungen haben mit den Analysemethoden zu erfolgen, die heute die niedrigsten möglichen Nachweis- und Quantifizierungsgrenzen haben.
  5. Hersteller von Pflanzenschutzmitteln haben einen Interessenkonflikt und dürfen daher nicht wie ein unabhängiges Untersuchungslabor angesehen werden. Im Monitoringprojekt müssen ausreichend Mittel bereitgestellt werden, um Untersuchungen auf Pflanzenschutzmittel durch ein unabhängiges Labor unseres Vertrauens durchführen zu lassen.
  6. Bei der Untersuchung der Völker ist auch das landwirtschaftliche Umfeld nach der Art der Kulturen und verwendeten Pflanzenschutzmassnahmen zu erheben.
  7. Transparenz: Ein abgestimmter Bericht ist im Internet und der Fachpresse zu veröffentlichen. Eine darüber hinaus gehende offensive PR-Kampagne ist nur dann sinnvoll, wenn es gilt Ergebnisse zu kommunizieren, die in der Breite praktisch umgesetzt werden können. Dies war in der Vergangenheit nicht der Fall.
  8. Die Tatsache, dass dieses Projekt durchgeführt wird, darf nicht zur verzögerten Umsetzung bereits bekannter Verbesserungsmöglichkeiten führen. Wenn, wie die Industrie gerne feststellt, die Varroa die Hauptursache für das Bienensterben ist, dann ist es unverständlich, warum:
  1. wir keine Unterstützung bei der Zulassung von 85%iger Ameisensäure haben,
  2. nach langem Ringen mit erheblicher Verspätung nur eine Methode der Oxalsäurebehandlung erlaubt ist,
  3. immer noch der Einsatz von Varroaziden mit Rückstandsproblematik und Resistenzbildung gefördert wird,
  4. bürokratische Auswüchse bei der Anwendung des europäischen Tierarzneimittelrechts auf die Imkerei nicht verhindert werden,
  5. die Schulung der Imker durch die Fachberater sich auf veraltete Methoden beschränken muss, weil für die anderen die Zulassung fehlt.

Wenn die Industrie wirklich davon überzeugt ist, dass es sich hier um ein Varroa-Problem handelt, wäre es doch rat­sam sich in der Frage der Varroa­bekämpfungs­mittel im Sinne der Imker zu ver­wenden. Auch in der Frage der Methodik bei den Unter­suchungen auf Bienen­ge­fährlich­keit für die Zu­lassung von Pflanzen­schutz­mitteln hat es keine Fort­schritte ge­geben. Die Statistiken der BBA über das Aus­maß von Bienen­schäden in Deutschland scheinen nur deshalb zu sinken, weil die Dunkel­ziffer wächst. Wie gesagt, die oben ge­nannten Forderungen sind für die Organisatoren des Monito­ring­projektes sicher nicht neu. Leider wurden die letzten zwei Jahre nicht genutzt, um sich Ver­trauen in der Imker­schaft zu er­ar­beiten. Gleich­zeitig wurde bei den Fragen, die uns wirklich beschäftigen, viel Zeit ver­loren und Gelder in das Bienen­monito­ring um­ge­leitet. Wir empfehlen daher es mit Erich Kästner zu halten:

"Was immer auch geschieht: Nie sollt Ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man Euch zieht, auch noch zu trinken!"

Walter Haefeker, Vorstand des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes